Definition
Tonnage-Faktor (Tonnage Factor) ist der spezifische Werkzeuginnendruck, der notwendig ist, um das Werkzeug während des Einspritzens geschlossen zu halten, ausgedrückt in Tonnen pro Quadratzentimeter projizierte Fläche. Er ist die Konstante, die Schließkraft mit Teilegeometrie und Harzwahl verknüpft.
Grundformel
Schließkraft (t) = Projizierte Fläche (cm²) × Tonnage-Faktor (t/cm²)
10 – 20 % Sicherheitszuschlag für Prozessstreuung und Kavitätsungleichgewicht hinzufügen.
Typischer Tonnage-Faktor je Harz
- LDPE, HDPE: 2,0 – 3,5 t/cm²
- PP: 2,5 – 3,5 t/cm²
- PS: 3,0 – 4,5 t/cm²
- ABS, SAN: 3,0 – 5,0 t/cm²
- PA, PC: 4,0 – 6,0 t/cm²
- POM, PBT: 4,5 – 6,0 t/cm²
- PEEK, PPS: 5,0 – 7,5 t/cm²
- Faserverstärkt: +20 – 50 % gegenüber ungefüllt
Faktor-Modifikatoren
- Dünne Wand (<1 mm): +50 – 100 %
- Sehr langer Fließweg (L/T >150): +30 – 80 %
- Niedrige Werkzeugtemperatur: höhere Viskosität → höherer Faktor
- Hohe Einspritzgeschwindigkeit: Scherentzähung kann den Faktor senken
- Heißkanal vs. Kaltkanal: Kaltkanal erhöht die projizierte Gesamtfläche
Bestimmung
- Lieferantendaten (Datenblätter)
- Strömungssimulation (Moldflow, Moldex3D, Cadmould) berechnet tatsächlichen Werkzeuginnendruck
- Erfahrung aus ähnlichen Teilen
- Werkzeuginnendrucksensoren in instrumentierten Werkzeugen
Häufige Fehler
- Generischen Faktor ohne Anpassung an Wand oder Fließweg verwenden
- Anguss in Kaltkanalwerkzeugen vergessen
- Faserverstärkung beim Wechsel von Neuware auf Compound nicht berücksichtigen
- Faktor mit Einspritzdruck verwechseln (sind unterschiedliche Größen)
Synonyme