Definition
Heißkanal (Hot Runner) ist eine Anordnung elektrisch beheizter Düsen und eines Verteilers (Manifold), die geschmolzenen Kunststoff von der Einspritzeinheit zu den Werkzeugkavitäten führen und das Material durchgehend auf Verarbeitungstemperatur halten.
Warum Heißkanal
Eliminiert den Angussabfall, der bei einem Kaltkanalwerkzeug zwangsläufig entsteht. Jede Düse spritzt direkt in die Kavität über einen Anspritzpunkt (Gate), wodurch Beschneiden und Wiederaufbereiten in jedem Zyklus entfallen und vollautomatischer Betrieb ohne Angussentnahme möglich wird.
Typische Parameter
- Manifold-Temperatur: 200 – 320 °C je nach Harz
- Differenz zum Zylinder: ±5 – 15 °C
- Zykluszeitreduktion: 5 – 20 % gegenüber Kaltkanal
- Materialersparnis: 10 – 30 % pro Teil
- Lebensdauer eines gepflegten Heißkanals: >1 Mio. Zyklen
Heißkanal-Bauarten
- Thermisches Gate: Düse stets offen, Verschluss durch Einfrieren der Schmelze
- Nadelverschluss (Valve Gate): mechanischer Verschluss durch Servo- oder Pneumatikantrieb, ideal für PP, PE und Sichtteile
- External Bushing (Cold-Sprue-Eliminator): wirtschaftliche Hybridlösung
- Natur- oder rheologisch balancierter Verteiler
Häufige Probleme
Drooling an offenen Gates am Ende der Einspritzung, Stringing (Fadenbildung), Verbrennungen durch Überhitzung, Kavitätenungleichgewicht durch unterschiedliche Heizzonen und Leckagen an unzureichend angezogenen Manifold-Dichtungen.
Synonyme