Definition
Schmelze (Melt) ist der Kunststoff im viskos-flüssigen Zustand, gewonnen durch Erhitzen des Polymers über seine Glasübergangs- oder Schmelztemperatur (Tg amorph, Tm teilkristallin) im Zylinder der Spritzgießmaschine. Ihre Temperatur, ihr Druck und ihre Viskosität bestimmen die Spritzgussqualität.
Typische Massetemperaturen
- PE / PP: 200 – 280 °C
- PS: 180 – 260 °C
- ABS: 220 – 260 °C
- PA 6 / PA 66: 240 – 290 °C
- PC: 280 – 320 °C
- PET: 270 – 290 °C
- PEEK: 360 – 400 °C
- Hart-PVC: 165 – 195 °C (niedrig, thermisch empfindlich)
Schmelze vs. Zylindertemperatur
Massetemperatur ist nicht gleich Zylindertemperatur:
- Zylinder-T: Anzeige der Heizbänder pro Zone (Regelung)
- Masse-T: tatsächliche Polymertemperatur am Düsenausgang
- Masse-T typisch 10 – 30 °C höher als Zylinder-T durch Scherwirkung
Wie misst man die echte Massetemperatur
- Stechthermometer im Purge-Schuss (gängigste Methode)
- IR-Sensor an der Düse
- Air Shot auf eine heiße Platte, Schnellmessung
- Eingebettete Sensoren im Zylinder (selten, Premium)
Eigenschaften der Schmelze
- Pseudoplastisch: Viskosität sinkt mit der Scherrate (Shear Thinning)
- Viskoelastisches Gedächtnis: erinnert sich an den Fluss, erzeugt richtungsabhängige Schwindung
- Geringere Dichte als Festkörper: 0,7 – 0,9 g/cm³ (vs. 0,9 – 1,4 fest)
- Niedrige Wärmeleitfähigkeit: 0,1 – 0,3 W/m·K (begrenzt die Kühlrate)
Schmelzeprobleme
Thermische Degradation bei Überschreiten der Verarbeitungstemperatur, Überscherung mit Molmassenabbau, Lufteinschluss an der Fließfront und Farbinhomogenität durch schlechte Mischung in der Plastifizierzone.
Synonyme