Definition
Einspritzgeschwindigkeit (Injection Speed) ist die lineare Geschwindigkeit, mit der die Schnecke beim Füllen vorrückt, programmiert in mm/s (oder Volumenstrom cm³/s). Sie ist einer der Parameter, die die Füllqualität bestimmen, neben Temperatur und Nachdruck.
Warum wichtig
Die Geschwindigkeit bestimmt:
- Füllzeit: 0,3 – 3 s bei technischen Teilen
- Scherung im Material (schneller → mehr Scherung → niedrigere effektive Viskosität)
- Sichtbare Marken: Jetting (zu hohe Geschwindigkeit am Punktanguss), Fließmarken (zu langsam oder unterbrochen)
- Molekulare Orientierung und Eigenspannung
Mehrstufenprofil
Moderne Maschinen erlauben 5 – 10 Geschwindigkeitsstufen über den Schneckenweg:
- Langsam am Gate-Eintritt (gegen Jetting)
- Schnell in weiten Kavitäten
- Langsam an kritischen Entlüftungsstellen (gegen Lufteinschluss)
- Langsam am Fließwegende für sanften Übergang zum Nachdruck
Typische Werte
- Standardharze, Standardwand: 50 – 150 mm/s
- Technische Teile mit Detail: 30 – 80 mm/s
- Sehr dünne Wände (<0,8 mm): 200 – 500 mm/s (hochdynamische Servo-Maschinen)
- Scherempfindliche Harze (PVC, PMMA): moderate Geschwindigkeit
Optimierung
Moldflow- / Moldex3D-Analyse zur Profil-Definition, iterative Abstimmung mit Short-Shot-Studien, und Massetemperatur-Überwachung am Füllende (Anstieg <5 – 10 °C aus Über-Scherung).
Häufige Probleme
Jetting bei hoher Geschwindigkeit an Punktangüssen, Fließmarken bei zu niedriger Geschwindigkeit, Brennspuren durch eingeschlossene Luft am Ende und Delamination, wenn die Fließfront teilweise abkühlt.
Synonyme