Definition
Nachdruck (Hold / Packing Pressure) ist der Druck, der nach dem Umschaltpunkt während der Nachdruckphase auf das Material in der Kavität wirkt. Seine Aufgabe ist es, die volumetrische Schwindung beim Abkühlen und Erstarren des Teils auszugleichen.
Warum nötig
Beim Abkühlen sinkt das Volumen des Kunststoffs. Ohne Nachdruck entstehen Einfallstellen, innere Lunker und untertolerierte Maße. Der Nachdruck drückt zusätzliches Material nach, um dieses "Volumendefizit" zu füllen, bis der Anspritzpunkt einfriert.
Typische Werte
- 40 – 80 % des Einspritzdruckspitze als Ausgangspunkt
- Standardharze (PE, PP): 300 – 700 bar (plastisch)
- Technische Harze (ABS, PC, PA): 500 – 1000 bar
- Mehrstufig: absteigender Druck in 2 – 4 Stufen, während der Anspritzpunkt einfriert
- Zeit: meist bis zum Anspritzpunkt-Einfrieren (über Gate-Seal-Study bestimmt)
Einstellung — Gate-Seal-Study
- Teile mit steigenden Nachdruckzeiten formen (0,5, 1, 2, 4, 6, 8 s …)
- Jedes Teil wägen
- Das Gewicht steigt, bis es plateaut, wenn der Anspritzpunkt einfriert
- Die optimale Nachdruckzeit ist die erste, bei der das Gewicht nicht mehr wächst
Häufige Probleme
Zu niedriger Nachdruck: Einfallstellen, Lunker, Untermaße. Zu hoher Nachdruck: Grat, Überpackung, Eigenspannungen, schwere Entformung. Zu lange Nachdruckzeit (nach Anspritzpunkt-Einfrieren): vergeudet nur Zykluszeit, ohne das Teil zu beeinflussen.
Synonyme