Definition
Einspritzzeit (Injection Time / Fill Time) ist die Zeit, die die Schnecke benötigt, um von der Ausgangsposition bis zum Umschaltpunkt zu fahren und damit die dynamische Füllphase auszuführen. Sie ergibt sich aus dem programmierten Geschwindigkeitsprofil und dem Schussvolumen.
Typische Werte
- Kleine Teile (<10 g): 0,3 – 0,8 s
- Mittlere Teile (10 – 100 g): 0,8 – 2,5 s
- Große Teile (>100 g) oder dünne Wände: 2 – 5 s
- Dicke technische Teile: 3 – 8 s
Warum wichtig
Eine reproduzierbare Einspritzzeit ist ein Stabilitätssignal. Schwankungen weisen auf:
- Verschlissene Rückstromsperre (schlechte Dichtung, Rückfluss)
- Viskositätsänderung des Harzes (Feuchte, Temperatur)
- Variable Engstelle an Gates (Degradation, Verunreinigung)
- Reale Geschwindigkeit erreicht die Soll nicht (Drucksättigung)
Programmierte vs. tatsächliche Zeit
Die programmierte Zeit ist Soll laut Profil; die tatsächliche kann größer sein, wenn der Druck sättigt (Geschwindigkeit sinkt). Echtzeit-Überwachung ist im Scientific Molding zentral.
Optimierung
- Konstante Volumenstrom-Füllung erfordert Geschwindigkeitsanpassung pro Stufe
- So schnell wie möglich einspritzen ohne Defekte (Jetting, Splay, Brennspuren)
- Kurze Zeiten verkürzen den Zyklus, erzeugen aber mehr Scherung und Orientierung
Variations-Diagnose
Histogramm der Einspritzzeit über 100 Schüsse aufnehmen. Abweichung >5 % deutet auf Probleme:
- Steigender Trend: Rückstromsperre verschleißt
- Zufällige Sprünge: Feuchteschwankung im Harz
- Plötzlicher Anstieg: teilweise Blockade an einem Anspritzpunkt
Synonyme