Definition
Amorphe Materialien (Amorphous Materials) sind thermoplastische Polymere, deren Ketten keine regelmäßige kristalline Ordnung zeigen. Die Moleküle sind zufällig angeordnet, was ihnen transparentes Aussehen, geringe Schwindung und isotrope Eigenschaften verleiht. Sie sind die bevorzugte Wahl für technische Teile mit engen Toleranzen oder hohem optischen Anspruch.
Schlüsseleigenschaften
- Kein definierter Schmelzpunkt: nur eine Glasübergangstemperatur (Tg)
- Transparenz: viele sind optisch transparent (PC, PMMA, PS)
- Geringe Schwindung: 0,3 – 0,7 % vs. 1,5 – 3 % bei teilkristallinen
- Hohe Dimensionsstabilität: wenig Nachschwindung
- Geringere Chemikalienbeständigkeit als teilkristalline
Kommerzielle amorphe Polymere
- PS (Polystyrol): Kosmetik, Verpackung, Elektronik
- ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol): Gehäuse, Automotive, Spielzeug
- PMMA (Acrylglas): Optik, Beschilderung, Sanitär
- PC (Polycarbonat): Linsen, Sicherheitsausrüstung, Elektronik
- SAN, ASA, Hart-PVC, PEI, PSU, PES
Vorteile im Spritzguss
- Breites Verarbeitungsfenster (kein Risiko unkontrollierter Kristallisation)
- Enge Toleranzen möglich durch geringe Schwindung
- Hervorragende Schuss-zu-Schuss-Wiederholbarkeit
- Hohe Oberflächenqualität (Spiegelglanz oder feine Textur)
Einschränkungen
- Eingeschränkte Chemikalienbeständigkeit (besonders gegen Kohlenwasserstoffe)
- Anfällig für Spannungsrissbildung (ESC) durch Detergenzien, Öle
- Kratzempfindlich (außer PC mit Hardcoat)
- Spröde bei niedrigen Temperaturen (PS, PMMA)
Unterschied zu teilkristallinen
| Eigenschaft | Amorph | Teilkristallin |
|---|---|---|
| Transparenz | hoch | gering/opak |
| Schwindung | 0,3-0,7% | 1,5-3% |
| Steifigkeit | mittel | hoch |
| Chemikalien | mittel | hoch |
| Prozessfenster | breit | eng |
Synonyme