Definition
Teilkristalline Materialien (Semicrystalline) sind thermoplastische Polymere mit geordneten Bereichen (Kristallen) eingebettet in eine amorphe Matrix. Der kristalline Anteil (typisch 20 – 80 %) bestimmt zentrale Eigenschaften: Steifigkeit, Opazität, Chemikalienbeständigkeit und Schwindung.
Thermisches Verhalten
Im Gegensatz zu amorphen Polymeren besitzen teilkristalline einen definierten Schmelzpunkt (Tm) zusätzlich zur Glasübergangstemperatur (Tg):
- Unter Tg: steif und spröde
- Zwischen Tg und Tm: duktil, Eigenschaften abhängig von der Kristallinität
- Über Tm: schmelzeflüssig zur Verarbeitung
Eigenschaften vs. amorph
- Höhere Kristallinität: Steifigkeit +, Chemikalienbeständigkeit +, Opazität +, Schwindung +
- Geringere Kristallinität: Transparenz +, Duktilität +, Schwindung −
Typische Beispiele
- PP: 30 – 50 % Kristallinität
- HDPE: 50 – 70 % (hoch)
- LDPE: 40 – 60 %
- PA 6 / PA 66 (Nylon): 25 – 50 %
- POM (Acetal): 70 – 80 % (sehr hoch)
- PEEK: 30 – 40 %
- PET: variabel je nach Thermal History (Flaschen vs. technische Teile)
Verarbeitung
- Werkzeugtemperatur ist kritisch: heißer → mehr Kristallinität → mehr Schwindung
- POM und PA in Werkzeugen bei 80 – 120 °C für optimale Kristallinität
- PP / PE in Werkzeugen bei 20 – 60 °C
- Langsamere Kühlung als amorphe Polymere wegen latenter Kristallisationswärme
Zentrale Unterschiede vs. amorph im Spritzguss
- Schwindung: 1,5 – 3 % vs. 0,3 – 0,7 % amorph
- Nachschwindung: setzt sich Tage oder Wochen nach dem Spritzguss fort
- Verarbeitungsfenster: enger; zu kalt erzeugt spröde Teile
- Aussehen: standardmäßig opak oder transluzent; Nukleierungsmittel verbessern die Klarheit
Synonyme