Definition
Staudruck (Back Pressure) ist der hydraulische Druck, der während des Plastifizierens auf die rotierende Schnecke wirkt und ihr Zurückgehen bewusst bremst. Seine Aufgabe ist es, die Homogenität der Schmelze zu verbessern, Pigmente und Additive zu dispergieren und eingeschlossene Luft auszutragen.
Warum erforderlich
Ohne Staudruck zieht sich die Schnecke so schnell zurück, wie sie kann, und die Schmelze tritt mit Blasen, Farbschlieren oder schwankender Viskosität von Schuss zu Schuss aus. Ein angemessener Staudruck akkumuliert Scherarbeit in der Masse und verbessert Temperaturgleichmäßigkeit und Mischung.
Typische Werte
- Unpigmentierte Standardharze (PP, PE): 30 – 50 bar (plastisch)
- Pigmentierte oder masterbatch-gefüllte Compounds: 60 – 120 bar
- Technische Harze (PC, PA, ABS): 50 – 100 bar
- Faserverstärkt: 30 – 60 bar (mehr beschädigt die Faser)
- Stark abrasive Materialien (PVDF, Flammschutz): so niedrig wie möglich
Einstellung
- Beim Minimum starten und erhöhen, bis:
- Die Farbe von Schuss zu Schuss homogen ist
- Das Schussgewicht stabil ist (±0,5 %)
- Die Plastifizierzeit die Kühlzeit nicht überschreitet
- Prüfen, dass die Massetemperatur bei steigendem Staudruck um nicht mehr als 5 °C steigt
Häufige Probleme
- Zu niedriger Staudruck: Farbschlieren, Blasen, instabiles Gewicht, ungeschmolzene Granulate
- Zu hoher Staudruck: thermische Schädigung, Faserbruch, Plastifizierzeit > Kühlzeit (verlängert Zyklus), Schneckenverschleiß
- Verwechslung hydraulischer Staudruck mit Kunststoff-Staudruck (über Intensivierungsverhältnis)
Synonyme